Russland

Experten: Zentralbank lässt Leitzins bis zum Jahresende nicht unter 12,5 Prozent sinken

Die Erwartungen einer sanften Senkung des Leitzinses sind an der Realität gescheitert – die Zentralbank macht deutlich, dass es keine Lockerung der straffen Geldpolitik geben wird. Begründet wird dies mit übermäßigen Haushaltsausgaben.
Experten: Zentralbank lässt Leitzins bis zum Jahresende nicht unter 12,5 Prozent sinkenQuelle: Sputnik © RIA Nowosti / Alexei Nikolskij

Der Leitzins dürfte bis zum Jahresende bei 12,75 bis 13 Prozent liegen, so die Einschätzung der von der Zeitung Iswestija befragten Experten. Bisher war davon ausgegangen worden, dass er auf 12,0 Prozent sinken würde, doch die Prognosen haben sich wegen der Signale der Zentralbank bei ihrer letzten Sitzung geändert – die Regulierungsbehörde senkte den Zinssatz lediglich um 0,25 Prozentpunkte, obwohl Analysten und der Markt mit einer stärkeren Senkung gerechnet hatten. Zudem machte die Zentralbank deutlich, dass sie auch weiterhin einen konservativen Kurs verfolgen und die Geldpolitik straffhalten werde. Interessanterweise wurde als Grund für diese Entscheidung nicht die Inflation genannt, auf die sich die Vorsitzende der Zentralbank, Elwira Nabiullina, bei jeder Zinserhöhung in den vergangenen Monaten und Jahren berufen hatte. Iswestija schreibt:

"Das größte Risiko besteht nach Ansicht der Zentralbank in den Staatsausgaben. Im Zeitraum Januar bis Mai 2026 wies der Bundeshaushalt ein Defizit von mehr als sechs Billionen Rubel auf, was drei Billionen mehr sind als im Vorjahr und fast doppelt so hoch ist, wie es in den Jahresplänen vorgesehen ist.

Das Basisszenario der Bank von Russland sah vor, dass die Haushaltspolitik mittelfristig zu einer Verlangsamung der Inflation beitragen würde, wird in der Pressemitteilung betont. Das Fortbestehen des primären strukturellen Haushaltsdefizits bis zum Jahr 2029 könnte jedoch eine strengere Geldpolitik erfordern als im Basisszenario vorgesehen."

Anschließend revidierten die Experten, die zuvor eine deutliche Senkung des Leitzinses bis zum Jahresende prognostiziert hatten, ihre Einschätzungen. Nach der Entscheidung vom Juni bleibt der Bank von Russland zwar Spielraum für eine weitere Lockerung der Geldpolitik, doch könnte sich das Tempo verlangsamen, meint der Analyst von Freedom Finance Global, Wladimir Tschernow.

"Vieles wird vom Haushalt abhängen, der im Zuge des anhaltenden Ukraine-Konflikts zulegt", erklärte die Aktienmarktexpertin des Unternehmens BKS Mir Investitsij, Ljudmila Rokotjanskaja. Ihren Worten zufolge weckt die kürzlich erteilte Genehmigung für die Regierung, die Ausgaben zu erhöhen, bei der Zentralbank Befürchtungen, dass es dennoch gelingen könnte, die Inflation in Grenzen zu halten.

Der unabhängige Experte Andrei Barchota geht sogar davon aus, dass ein einheitlicher Zinssatz, beispielsweise in Höhe von 9,75 Prozent, frühestens im Oktober 2027 eingeführt wird. Er betont:

"Hohe Zinssätze in der Wirtschaft ermöglichen es trotz ihrer zwiespältigen Auswirkungen, den Anschein von Stabilität zu wahren, indem sie den Rubel starkhalten, die Inflation begrenzen und Druck auf die Verbrauchernachfrage ausüben. Die harte Rhetorik der Regulierungsbehörde zeugt von der Abneigung, die Wahrscheinlichkeit von Krisenprozessen im Bankensektor zu erhöhen."

Experten zufolge wird sich die Krise in den zivilen Wirtschaftssektoren daher vorerst weiter verschärfen – da die Geldpolitik in den kommenden Monaten und Jahren streng und konservativ bleiben wird. Und insgesamt wird für die Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von nur etwa einem Prozent prognostiziert, betonen sie.

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