Deutschland

"Dramatische Lage" – Mercedes verschiebt Sonderzulage und prüft längere Arbeitszeiten

Deutsche Kosten sind "nicht wettbewerbsfähig", erklärt der Autobauer Mercedes-Benz. Diesbezüglich verschiebt das Unternehmen die jährliche Sonderzahlung an Beschäftigte und prüft zudem die längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich.
"Dramatische Lage" – Mercedes verschiebt Sonderzulage und prüft längere ArbeitszeitenQuelle: Gettyimages.ru © Thomas Niedermueller

Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz spricht von einer "dramatischen" Lage. In einem Schreiben an Beschäftigte in Deutschland, das der dpa vorliegt, hat der Vorstand angekündigt, dass die für Ende Juli vorgesehene Sonderzahlung auf das kommende Jahr verschoben wird. Bei der Zahlung handelt es sich um den jährlichen "Transformationsbaustein", der 18,4 Prozent des regelmäßigen individuellen Monatsentgelts beträgt.

Zudem möchte das Management in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verhandeln, hieß es im Brief weiter. Derzeit arbeiten die Beschäftigten laut Tarifvertrag 35 Stunden pro Woche.

Im internationalen Vergleich seien die strukturellen Kosten in Deutschland, insbesondere die Arbeitskosten, nicht wettbewerbsfähig, zitierte das Schreiben den Vorstand. Der Konzern müsse weiterhin mit Hochdruck die Kosten senken, um bei den Produktpreisen weiter konkurrieren zu können. Trotz aller Anstrengung bleibe die Situation heute in Deutschland dramatisch. Jede Vergabe neuer Produkte und jede Zuweisung von Aufgaben an deutsche Standorte verschlechtere die relative Kostenposition des Unternehmens.

Bereits im ersten Quartal 2026 sank das Konzernergebnis nach Unternehmensangaben um 17,2 Prozent, im Vorjahr brach der Gewinn um knapp die Hälfte von 10,4 auf 5,3 Milliarden Euro ein. Als Belastungsfaktoren nannte der Autobauer Zölle, negative Wechselkurseffekte und den intensiven Wettbewerb in China. Absatz und Umsatz waren ebenfalls rückläufig.

Auch der Konkurrent Volkswagen musste Rückschläge erfahren. Laut einem Bericht des Manager Magazins vom Freitag könnte die Firma bis zu 100.000 der rund 657.000 Arbeitsplätze streichen. Betroffen wäre unter anderem das Volkswagenwerk Zwickau mit rund 8.000 Mitarbeitern. Ein VW-Sprecher weigerte sich, den Bericht zu kommentieren, verwies jedoch auf eine "tiefgreifende Transformation" der Branche und Belastungen in zweistelliger Milliardenhöhe pro Jahr durch Zölle, Wettbewerb und schwächere Märkte.

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